Modernes Biofilmmanagement und Zahnfleischschutz mit Hydroxylapatit: Klinisch getestet

Einleitung

Der orale Biofilm besteht aus zahlreichen unterschiedlichen Mikroorganismen. Im gesamten Mundraum sind bis zu 700 verschiedene Bakterien zu finden. Jedes dieser Bakterien ist in der Lage, sich in einem Biofilm, also einer polymikrobiellen Lebensgemeinschaft auf der Zahnschmelzoberfläche anzusiedeln. Der Biofilm, häufig auch Plaque genannt, entsteht zunächst am Zahnfleischsaum. Durch Interaktionen mit dem Wirt und dessen Immunsystem können hier unter Umständen Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) bis hin zur Parodontitis entstehen. Daher ist es wichtig, die Plaque zu kontrollieren und regelmäßig zu entfernen. Am besten funktioniert dies durch das tägliche Zähneputzen, also eine mechanische Plaqueentfernung. Bestimmte Wirkstoffe in Zahnpflegeprodukten unterstützen die Plaqueentfernung und somit die Biofilmkontrolle. Zu diesen Wirkstoffen zählt Hydroxylapatit.

Fragestellung

Ist eine hydroxylapatithaltige Zahncreme in der Parodontitisprophylaxe genauso effektiv wie der bisherige Goldstandard mit Aminfluorid und Zinnfluorid?

Material und Methoden

Die Studie wurde als doppelt verblindete, randomisierte, parallele Studie an zwei unterschiedlichen Studienzentren (Uniklinikum Münster und Uniklinikum Würzburg) durchgeführt. Die Studiendauer betrug drei Monate und als primäres Studienoutcome wurde die Neubildung von Plaque (plaque forming rate/PFR) ausgewählt. Zusätzlich wurden weitere sekundäre Parameter betrachtet. Die Patienten wiesen allesamt eine milde bis moderate chronische Parodontitis (Zahntaschentiefe von ≥ 4 mm an mindestens 4 Zähnen) auf. Alle Patienten wurden zu Beginn der Studie geschult, wie die Mundhygiene durchzuführen ist. Anschließend wurden die Patienten zufallsmäßig auf zwei Gruppen verteilt: Eine Gruppe nutzte eine amin-/zinnfluoridhaltige Zahnpasta (Kontrolle) und eine zweite Gruppe eine hydroxylapatithaltige Zahncreme für die Mund- und Zahnpflege. Zunächst wurden die Zahnpflegeprodukte wie bisher in der häuslichen Zahnpflege genutzt. Nach einer professionellen Zahnreinigung und parodontalen Therapie führten die Patienten ihre häusliche Zahn- und Mundpflege wie angeleitet durch. Bei regelmäßigen Kontrollbesuchen (nach 4 Wochen und 12 Wochen) wurde die PFR gemessen. Abschließend wurden die Ergebnisse miteinander auf statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der PFR geprüft.

Ergebnisse

Abbildung: PFR Hydroxylapatit (HAP) und Aminfluorid/Zinnfluorid im Vergleich.
Abbildung: PFR Hydroxylapatit (HAP) und Aminfluorid/Zinnfluorid im Vergleich.

Insgesamt wurden 67 Patienten in die Studie eingeschlossen. Die Patienten waren auf beide Gruppen (Amin-/ Zinnfluorid und Hydroxylapatit) gleichmäßig verteilt. Das Durchschnittsalter betrug in beiden Gruppen 53 Jahre (± ca. 13 Jahre). Die PFR zeigte sich in beiden Gruppen ähnlich. Insgesamt konnte die PFR verbessert werden. Die sekundären Parameter zeigten ebenfalls eine gleichmäßige Verbesserung der Mundgesundheit in beiden Gruppen. Es konnten keine signifikanten Unterschiede in der PFR zwischen der Gruppe mit einer amin-/zinnfluoridhaltigen Zahnpasta und der Gruppe mit einer hydroxylapatithaltigen Zahncreme festgestellt werden.

Schlussfolgerung

Eine hydroxylapatithaltige Zahncreme ist aus klinischer Sicht für die Parodontitisprophylaxe genauso zu empfehlen wie der etablierte Goldstandard mit Amin- und Zinnfluoriden.


Die Veröffentlichung der Studie finden Sie hier.
 

Quelle: Harks, I., Y. Jockel-Schneider, U. Schlagenhauf, T. W. May, M. Gravemeier, K. Prior, G. Petersilka and B. Ehmke (2016). “Impact of the daily use of a microcrystal hydroxyapatite dentifrice on de novo plaque formation and clinical/microbiological parameters of periodontal health. A randomized trial.“ PLoS One 11: e0160142.