Modernes Biofilmmanagement: “Control without killing”

Einleitung

Hydroxylapatit-Partikel scheinen nach den bisherigen Studienergebnissen ein großes Potenzial in der Kariesprophylaxe und der Plaquekontrolle zu haben. Häufig sind in den vorliegenden Studien nicht nur die reinen Wirkstoffe getestet worden. Daher ist es notwendig, reine Substanzen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Zwar gibt es für hydroxylapatithaltige Zahnpflegeprodukte auch Studien, die den reinen Wirkstoff testen, allerdings sind die Schwerpunkte auf Remineralisationsprozesse und überempfindliche Zähne gelegt. Antimikrobielle und plaqueinhibierende Effekte von hydroxylapatithaltigen Produkten wurden bis dato zwar in klinischen Studien nachgewiesen, aber eine Betrachtung des reinen Wirkstoffes Hydroxylapatit stand noch aus.

Fragestellung

Wie groß ist der plaquekontrollierende und antimikrobielle Effekt von Hydroxylapatit im Vergleich mit Chlorhexidin?

Material und Methoden

Gleich zwei Studien haben sich mit dieser Thematik befasst. Vom Prinzip her sind sich beide Studien ähnlich: Beide Studien waren in situ Studien, bei denen Testkörper in die Mundhöhle von gesunden Probanden eingesetzt wurden. Diese Testkörper wurden über einen zuvor festgelegten Zeitraum getragen. Die Probanden nutzten unterschiedliche Mundspüllösungen. In beiden Fällen wurde ein Vergleich zwischen Hydroxylapatit und Chlorhexidin durchgeführt. Nach Entnahme der Testkörper aus der Mundhöhle wurden diese molekularbiologisch untersucht. Ziel war es festzustellen, in welchem Maße Hydroxylapatit und Chlorhexidin die bakterielle Anlagerung reduziert haben und ob die Mikroorganismen noch vital waren.

Ergebnisse

Die Ergebnisse beider Studien zeigen, dass Hydroxylapatit in gleichem Maße die Anzahl an Bakterien auf den Zähnen reduziert wie eine 0,2 % CHX-Lösung. Während bei der Anwendung von CHX die Mikroorganismen größtenteils absterben, wird bei Hydroxylapatit die Anhaftung an der Oberfläche gehemmt und das ökologische Gleichgewicht beibehalten. Die Mikroorganismen werden nicht abgetötet. Hydroxylapatit bildet einerseits eine Schutzschicht an der Zahnoberfläche und inhibiert so die bakterielle Biofilmbildung und andererseits akkumulieren die Bakterien an freien Hydroxylapatit-Teilchen und stehen somit nicht für die Anlagerung an der Zahnoberfläche zur Verfügung.

Abbildung: Reduktion der Bakterien auf den Zähnen: Skizziert nach Kensche et al.
Abbildung: Reduktion der Bakterien auf den Zähnen: Skizziert nach Kensche et al.

Schlussfolgerung

Hydroxylapatit ist hochwirksam in der Biofilmkontrolle und beeinflusst dabei nicht das ökologische Gleichgewicht.

 

Die Veröffentlichung der Studie finden Sie hier:

Quellen: Kensche, A., C. Holder, S. Basche, N. Tahan, C. Hannig and M. Hannig (2017). “Efficacy of a mouthrinse based on hydroxyapatite to reduce initial bacterial colonisation in situ.” Arch Oral Biol 80: 18-26. Hannig, C., S. Basche, T. Burghardt, A. Al-Ahmad and M. Hannig (2013). “Influence of a mouthwash containing hydroxyapatite microclusters on bacterial adherence in situ.” Clin. Oral Investig. 17: 805-814.