Hydroxylapatit: Reduktion der Bakterienlast auf der Zahnoberfläche

Einleitung

Die Parodontitis ist eine Krankheit, die durch einen polymikrobiellen pathogenen Bioflim ausgelöst wird. Dieser Biofilm, oder auch Plaque genannt, bildet sich am Zahnfleischsaum. Durch Abwehrmechanismen des Körpers entstehen Zahnfleischtaschen. Die Plaque kann nun in diese Taschen gelangen und weiter wachsen. Dieser Wachstum wird vom Körper wiederum versucht zu unterdrücken. So kommt es zu einem Wechselspiel aus Toxinproduktion seitens der Plaque und einer Entzündungsreaktion des Körpers. Das Problem ist hier, die Plaque ist sehr resistent und kann nicht durch die heimische Zahnpflege alleine entfernt werden und dieses Wechselspiel führt zu einem kontinuierlichen Zahnfleischabbau. Im fortlaufenden Prozess wird zudem der Zahnhalteapparat angegriffen und Knochen abgebaut. Damit es nicht so weit kommt, ist eine gezielte Biofilmkontrolle wichtig. Ein Ansatz hierfür kann etwa der Einsatz von Hydroxylapatit sein: Historische Funde zeigen, dass die gefundenen Bakterien und auch die Ernährung ähnlich waren zu den heutigen, hier jedoch keine derartigen mikrobiellen Infektionen beobachtet werden konnten. Eine Theorie ist, dass durch ständige Abrasion der Zähne dauerhaft Hydroxylapatit-Partikel im Mund zur Verfügung standen und die oralen Mikroorganismen sich hieran angelagert haben. Diese Anlagerung führte zu einer Reduktion der bakteriellen Last auch auf den Zahnoberflächen und am Zahnfleischsaum. Resultierend hieraus konnten die Biofilme nur selten eine kritische Masse erreichen und pathogen werden.

Fragestellung

Welche antibakteriellen und antiadhärenten Eigenschaften hat Hydroxylapatit in einer Mundspüllösung im Vergleich mit einer chlorhexidinhaltigen Mundspüllösung?

Material und Methoden

Insgesamt wurden in dieser in situ Studie bei 6 Probanden sterilisierte und polierte Zahnschmelzplättchen von Rinderzähnen eingesetzt. Es wurden unterschiedliche Verdünnungen der Mundspüllösungen vorbereitet und den Probanden in zufälliger Reihenfolge verabreicht. Die verwendeten Testlösungen waren eine hydroxylapatithaltige Mundspüllösung und eine chlorhexidinhaltige Mundspüllösung. Die Probenplättchen wurden den Probanden nach 6 und nach 12 Stunden entfernt und für die weiteren Untersuchungen vorbereitet. Die Plättchen wurden im Anschluss an die intraorale Anwendung auf die Gesamtzahl an Bakterien (DAPI Färbung) und auf lebende und tote Zellen (BacLight-Färbung) mit Hilfe von Fluoreszenzmikroskopie untersucht. Zusätzlich wurden die Mundspüllösungen in vitro untersucht: Streptococcus mutans wurde 10 Minuten mit der jeweiligen Lösung inkubiert und die lebenden und toten Zellen (live/dead-Färbung) identifiziert. Die Gruppen wurden anschließend auf statistisch signifikante Unterschiede untersucht (Kruskal-Wallis Test und Mann-Whitney Test).

Abbildung: Hydroxylapatit reduziert die Bakterien genauso wie CHX. Skizziert nach Hannig et al.
Abbildung: Hydroxylapatit reduziert die Bakterien genauso wie CHX. Skizziert nach Hannig et al.

Ergebnisse

Hydroxylapatit reduziert die bakterielle Anlagerung in situ. Sowohl das getestete Produkt mit Hydroxylapatit als auch Hydroxylapatit alleine in wässriger Dispersion zeigten ähnliche anti-adhärente Effekte wie Chlorhexidin. Dieser Effekt ist sowohl nach 6 als auch nach 12 Stunden zu erkennen. Die in vitro-Untersuchungen zeigten, dass Hydroxylapatit im Gegensatz zu CHX nicht zu einem bakteriellen Zelltot führt.

Schlussfolgerung

Hydroxylapatit ist besonders wegen seiner antiadhärenten Eigenschaften ein idealer Wirkstoff für die Biofilmkontrolle. Hydroxylapatithaltige Zahnpflegeprodukte zeigen zudem antimikrobielle Eigenschaften und unterstützen somit die biomimetische Plaquekontrolle.

 

Die Veröffentlichung der Studie finden Sie hier.

 

Quelle: Hannig, C., S. Basche, T. Burghardt, A. Al-Ahmad and M. Hannig (2013). “Influence of a mouthwash containing hydroxyapatite microclusters on bacterial adherence in situ.” Clin. Oral Investig. 17: 805-814.